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Kaspar _ Vibrationen eines Körpers, der nie tanzte

Tanz, Literatur

KASPAR oder VIBRATIONEN EINES KÖRPERS, DER NIE TANZTE ist eine choreografische Adaption des Romans «Kaspar Hauser» der belgischen Dichterin Véronique Bergen. Projektionen und Origamis sind Bestandteile der Szenerie.

Es erzählt die halb wahre, halb legendäre Geschichte von einem Kind adeligen Bluts, das im 19. Jahrhundert kurz nach der Geburt aus politischen Gründen entführt und in eine Gefängniszelle gesperrt wird. Eines Tages wird es jedoch befreit und in die Außenwelt katapultiert, auf die Bühne der Sprache und der Gesellschaft. Dieser zweite Schock verdeutlicht erneut das Paradigma seiner Existenz, das Verhältnis zur Welt, zu Anderen und zu sich selbst. 

Was wird er gewinnen oder verlieren? Was ist der tierische Teil und was ist sein menschlicher Teil? Welchen Einfluss hat die Sprache auf seine Entwicklung? Diese Arbeit erforscht die Verbindung zwischen Sprache und Menschlichkeit, die Stellung von Randgruppen (z. B. Autisten) in der Gesellschaft und das Verhältnis eines Wesens zu seiner Umwelt und der Realität.

Zeitgenössischer Tanz und Körpertheater interagieren mit Literatur, Film (Visuals), musikalischer Komposition (Cornelia Zambila) und handgefertigten Origamis (Benjamin Guillaume und Giovanni Biasiolo).

Die Motorik, die Fortbewegung und die Emotionen eines einzelnen und wilden Wesens werden in Bewegungen übersetzt, hin- und hergerissen zwischen instinktiven Impulsen und abgebrochenen Bewegungen gegen die den Mauern des Gefängnisses. Die Irrungen und Wirrungen seines Lebens und Überlebens verändern sowohl sein Wesen und erzeugen eine gestische Hybridität: Nachahmung von Naturphänomenen, Begegnungen mit anderen Körpern, Aufstieg und Rückfall, Deformation durch das Trauma der Sprache, Spannung in «eckiger Rundheit». 

Die Ausstellung räumt auch dem Schlüsselbegriff «Vibrationen» im Titel einen besonderen Platz ein. Daher auch die Bedeutung, die dem Vibrieren beigemessen wird – in organischen, pulsierenden und instinktiven Gesten.

Eine Tanzperformance als Gesellschaftskritik mit literarischem Ansatz. 

Eintritt VVK10€ 8€, AK 12€ 10€

Eintritt eine Stunde vorher